Tübinger Schule

Aus Romano-Guardini-Handbuch
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Die 1819 begründete katholische Tübinger Schule umfasste vor allem fünf Theologen mit ähnlicher Forschungsrichtung wie der evangelische Theologe Ferdinand Christian Baur, der 1826 bis 1860 als Professor für Kirchen- und Dogmengeschichte in Tübingen wirkte. Sie wirkte vor allem auf dem Gebiet der Kirchen- und Bibelforschung und nimmt für sich in Anspruch noch vor Baur die ersten historisch-kritischen Methoden in die Bibelforschung eingeführt zu haben.

  • Johann Sebastian von Drey (1777–1853), Begründer der Tübinger Schule
    • 1806 wurde er Professor am Philosophisch-theologischen Lyzeum in Rottweil
    • 1812/13 Dr. theol.
    • 1812/13 Professor für Apologetik, Dogmatik, Dogmengeschichte und theologische Enzyklopädie an der Katholischen Landesuniversität Ellwangen
    • 1817 Integration der Katholischen Landesuniversität Ellwangen als katholisch-theologische Fakultät in die Eberhard-Karls-Universität Tübingen integriert.
  • Johann Baptist von Hirscher (1788–1865), Mitbegründer
    • 1816 Lyzealprofessor in Ellwangen, 1817 in Rottweil
    • 1817 Lehrstuhl für Moral- und Pastoraltheologie der Universität Tübingen
    • 1837 Wechsel nach Freiburg
  • Johann Adam Möhler (1796–1838), Schüler Dreys und Hirschers und Mitbegründer,
    • 1828 ordentlicher Professor für Kirchengeschichte der theologischen Fakultät zu Tübingen.
    • 1835 Wechsel nach München
  • Franz Anton Staudenmaier (1800–1856)
    • ab 1822 Studium der Theologie als Schüler von Dreys und Möhler
    • 1830 Professor für Dogmatik an die neu errichtete Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Gießen
    • 1837 als Professor für Dogmatik an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, dort Kollege von Hirscher
  • Johannes von Kuhn (1806–1887)
    • 1825 bis 1830 Studium der katholische Theologie in Tübingen
    • 1832 Professor in Gießen
    • 1837 Professor für Dogmatik in Tübingen

Im gleichen Jahr wurde durch Drey die Tübinger Theologische Quartalschrift gegründet.

Nachwirkungen der Tübinger Schule finden sich bei:

  • Friedrich Wörter (1819-1901), Schüler Kuhns
    • 1853 Supplent für Staudenmaier
    • 1855 a.o. Professor
    • 1858 o.Professor für Dogmatik und Apologetik als Nachfolger Staudenmaiers
  • Franz Xaver Kraus (1840-1901)
    • 1878 ordentlicher Professor für Kirchengeschichte in Freiburg
  • Paul von Schanz (1841–1905), späterer Vertreter, insbesondere im Bereich der neutestamentlichen Exegese und Apologetik, Nachfolger von Kuhn in Tübingen
    • 1876 Professor für Neues Testament
    • 1883 Professor Dogmatik und Apologetik als Nachfolger von Kuhn in Tübingen
  • Herman Schell (1850-1906)
    • Professor für Dogmatik in Würzburg
  • Carl Braig (1852-1923), Schüler Kuhns
    • 1897 wurde er ordentlicher Professor für Dogmatik in Freiburg
  • Joseph Sauer (1872-1949), Schüler von Franz Xaver Kraus
  • Wilhelm Koch (1874-1955)
    • 1905 außerordentlicher Professor für Dogmatik und Apologetik an der Universität Tübingen als Nachfolger seines Lehrers Paul von Schanz an; Lehrer und Beichtvaters während des Tübinger Studiums
  • Engelbert Krebs (1881-1950)
    • 1911 Habilitation in Freiburg; anschließend Privatdozent

Ludwig A. Winterswyl, vormals Benediktiner von Maria Laach, dann zum Berliner Freundeskreis Guardinis gehörig, schreibt 1937 im "Hochland" (34/2, 1936/37, S. 365) schreibt deutlich: "Man kann bei der ausgesprochenen Eigenart und Selbständigkeit Guardinis nicht eigentlich auf Lehrer hinweisen, denen er theologisch Entscheidendes verdankt hätte. Immerhin darf man, wie Guardini es in den Widmungen seiner Bücher tut, den Freiburger Karl Braig nennen, der ihm für die Intensität des metaphysischen Denkens Anreger war, und Wilhelm Koch, der ihn mit den Traditionen der Tübinger Schule verband. Diese ist ausgezeichnet durch das vollkommene Miteinander von Akribie und Präzision einerseits, Wärme des Glaubens und Freiheit des Geistes anderseits. Das literarische Werk des Letzten der alten Tübinger, Anton Staudenmaiers, hat dabei die zu Beginn des Jahrhunderts etwas dünn gewordene Tradition für den jungen Guardini wesentlich ergänzt in Richtung auf die Anfänge der katholischen Tübinger Schule, deren Philologie das Geheimnis des Unsagbaren so wundervoll zu achten wußte."

Guardini knüpft vor allem an Möhler und Staudenmaier an. Kuhn findet sich nur als großer "Tübinger". Drey und Hirscher findet sich bislang nicht, auch Wörter und Kraus nicht. Schell findet sich stark in der Lektüre. Bei Braig, Sauer, Koch und Krebs studiert Guardini.