Vorlage:1955 Rezensionen Vom Sinn der Schwermut
Aus Romano-Guardini-Handbuch
- [1955-284] Gisela Welsch: Rezension zu: Guardini, Vom Sinn der Schwermut, in: Bücherei und Bildung, Reutlingen, 7/II, 1955, S. 180 f. [Gerner 396, bei Gerner S. 380 f.???] - [Rezension] - https://books.google.de/books?id=cl8wAQAAIAAJ oder https://books.google.de/books?id=oFsuAQAAIAAJ
- S. 180: „Die moderne Medizin und Psychologie kennen die heilende Wirkung des Bewußmachens unbewußter seelischer Vorgänge. Die vorliegenden, erstmals 1928 erschienenen Meditationen über die Schwermut geben nicht durch die geistige Ausdeutung dieser in seelischen Tiefenschichten wurzelnden Erscheinung die Klärung einer bestimmten Lebenssituation, sondern darüber hinaus Wegweisung. Guardini begreift die Schwermut als eine geistige Erscheinung, die mit den Tiefen des Menschentums schlechthin zusammenhängt, als etwas, worin der kritische Punkt unserer menschlichen Existenz faßbar wird. Der geistige Mensch - und wahrhaft einfache Naturen werden nicht schwermütig - durchmißt diese schmerzhafte und zugleich großartige Lebenserscheinung in ihrer ganzen »gewaltigen Spannungsweite«, er durchlebt sie in der »inneren Fülle ihrer Potenz«. So kann ihm die Schwermut tiefste Beziehung zum Dasein werden, Zugang zu den dunklen Gründen des Seins, »innere Gravitation der Seele nach der großen Mitte«. Die Schwermut erhält Wert und Sinn im Lebensgefüge. Sie vermag für den, der sie ehrlich austrägt - aber auch nur dann -, zu einer Macht zu werden, die ihn reift und wandelt, zu einer Kraft, aus der „Werk und Werden“ hervorgehen. Guardini erläutert seine Gedanken von Gefahr und Sinn der Schwermut vorwiegend am Beispiel Sören Kierkegaards. Das schmale Bändchen, das durch begriffliche Prägnanz und Klarheit der Sprache allen nachdenklichen Lesern zugänglich ist, sollte größeren Büchereien sehr willkommen sein.“