Vorlage:1959 Rezensionen Wunder und Zeichen
Aus Romano-Guardini-Handbuch
- [1959-000] Robert Hürtgen: Rezension zu: Guardini, Wunder und Zeichen, in: Literarischer Ratgeber, München, Würzburg/Heidelberg, 46, 1959/60, S. 90 [Gerner 403] - [Rezension] - [noch nicht online]
- [1959-000] Katholische Akademie München: Vortrag Romano Guardinis über das Wunder, in: Universitas, 14, 1959, S. 328 [neu aufgenommen] – [Artikel] - https://books.google.de/books?id=W-g4AAAAIAAJ:
- S. 328: „Vortrag Romano Guardinis über das Wunder: Anläßlich ihres einjährigen Bestehens setzte die Katholische Akademie zwei öffentliche Vorlesungen Romano Guardinis an: „Zum Problem des Wunders.“ Der Andrang war so stark, daß der Vortrag aus der Aula der Universität gleichzeitig in den großen Hörsaal übertragen werden mußte. Guardini war sich bewußt, einen für den modernen Menschen schwierigen Gegenstand zu behandeln; trotzdem habe auch in unserer Zeit die Rede vom Wunder nicht aufgehört, denn es sei so folgerte er, ein Element des Daseinsganzen. Durch sein Verschwinden erführe das Bild der Welt eine Einengung, die es nicht vertrüge. Voraussetzung für seine hieran anknüpfende Betrachtung war die These: Das Wunder gibt es nur im Zusammenhang mit dem Menschen, also nicht im bloßen Naturraum, sondern nur im Geschichtsraum. Eines der im Neuen Testament berichteten Wunder ist Christi Wandeln über das Wasser. Guardini nahm es als pars pro toto. War hier, so fragte er, das Gravitationsgesetz aufgehoben? Nein, denn eine Aufhebung wäre gleichbedeutend damit, daß die Naturgesetze nicht mehr gelten, d. h. daß Wahrheit nicht mehr Wahrheit wäre, und diese sei von Gott gewährleistet. Vielmehr ist bei diesem wie bei anderen Wundern ein neuer Raum geschaffen worden mit der Möglichkeit höherer Erfüllung. Die Wirklichkeit ist in Stufen gebaut, von einer niedrigeren Stufe aus ist niemals bestimmbar, was auf einer höheren möglich ist. Zwar gilt das Gravitationsgesetz für alle, aber in welcher Weise sich bei ihnen das Schwersein auswirkt, das hängt nicht von diesem Gesetz, sondern von ihrer Wesenheit ab. Analog wie der Geist einen erschöpften Körper zu unerwarteten Leistungen treiben kann, so ruft der Gottmensch die Naturgesetze zu einer neuen Leistungs- und Ausdrucksform nicht neben der Naturgesetzlichkeit, sondern in ihr. Dadurch wird nach Guardini die Ordnung der Welt keineswegs gesprengt, denn die Welt ist kein starres Ganzes, das nur mechanisch reagiert, sondern sie ist ein elastisches Ganzes, das auf produktiven Vorgängen ruht.“